Wem gehört die Stadt?

Wem gehört die Stadt?

Erst Abriss Erbsen-Schwind/GeckoJetzt Abriss Heylands-Schwind/Klimperkasten? Stadtplanung bedient Investoren und fördert Bauspekulation.

Geschichtsträchtige Bauten wie der „Erbsen-Schwind“ – einst zerbombt und von unseren Vorvätern und -müttern teils in mühsamer Trümmerarbeit wieder aufgebaut, werden gerade rigoros und ohne Skrupel entsorgt und weggerissen. Nach positiver Beschlussvorlage der Stadtplanung soll als Nächstes nun die ehemalige Heylands-Brauerei-Gaststätte an der Reihe sein. – Sie hatte sich jahrzehntelang als „Klimperkasten“ einen großen Namen gemacht, heute ist sie als „Aloha-Bar“ bekannt.

Ohne Rücksicht auf den historischen und stadtbildnerischen Wert soll wieder ein großer Komplex durch sterile Architektur und für die Allgemeinheit unbezahlbare Luxuswohnungen ersetzt werden. Ein Komplex mit 17 Wohneinheiten und 4 Büroeinheiten ist nach Abriss dort geplant. Die Zustimmung dazu steht am nächsten Mittwoch auf der Tagesordnung des Umwelt- und Verwaltungssenates. Die Firma R21 Projekt GmbH soll den von der Firma Kalkan erworbenen Bau beseitigen und das Gelände neu bebauen.

Damit verschwände der letzte Bau einer der ältesten Brauereien in Aschaffenburg, 1807 gegründet, gebaut und 1873 umgebaut.

Der Bau war im Krieg schwer beschädigt und dann Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder aufgebaut worden. Als Brauereigaststätte fast so beliebt wie der Schlappeseppel hat sie vielen Jugendlichen über Jahrzehnte als Anlaufpunkt gedient. Der Jazzkeller – später als Cave bekannt – war Auftrittsort von Modern-Jazzbands, Dixie- und New Orleans Jazzbands bis 1963. Danach spielten die Ladykillers, die Idyllics, People, Mercy Four, Pentagon und die Certain Style bis 1970. Die Beat-Generation in Aschaffenburg hatte dort ihre Heimat. In dieser Zeit hatte dieser Treff die Funktion eines Jugendhauses, das von den Bands selbst verwaltet wurde. Viele Abituriabälle hat dieses Gebäude in allen Stockwerken erlebt. In den 70er Jahren eröffneten die Gebrüder Berninger den Klimperkasten im Erdgeschoss. Über die Region hinaus bekannt verbrachten wieder Generationen dort ihre Jugend. Viele Bands starteten dort ihre mitunter bundesweite Karriere. Auch der Friedensbewegung bot sie die Bühne für Kulturveranstaltungen gegen die atomare Aufrüstung der 80er Jahre. Dieses Gebäude hat so viel Geschichte, dass es unseres Erachtens erhalten werden muss. Zumindest die Fassade im Roßmarkt prägt das Stadtbild.

Eine neue Fassade müsste sich an der Qualität der alten messen lassen. An diese kommt der derzeitige Entwurf nicht ran. Ob mit einer Salamitaktik nach diesem Projekt auch der Colos-Saal beseitigt wird? Auch hier wäre eine historische Gaststätte – vormals „Gambrinus“ – betroffen.

Die KI wird einer weiteren Stadtzerstörung nach dem „Erbsen-Schwind“ nicht zustimmen. Das Straßenbild des Roßmarktes darf nicht weiter beeinträchtigt werden. Rettet das historische Heylands-Schwind Gebäude! Gebt die Stadt nicht Investoren preis, denen es keinesfalls um Lebensqualität der Stadtbevölkerung, sondern alleine um Vermehrung ihrer Kapital-Anlagen geht. Wirkliche Stadtgestaltung und Heimatpflege ist von deren Interessenlage nicht zu erwarten.

Foto privat