Das ist ein schwarzer Tag für die SPD – und ein politischer Donnerschlag, der weit über Aschaffenburg hinaus zu hören ist. Nach 56 Jahren ununterbrochener SPD-Führung des Bürgermeisteramtes endet eine Ära in der Stadt. Von Willi Reiland (1970-2000) über Klaus Herzog (2000-2020) bis Jürgen Herzing stellte die SPD durchgehend den Oberbürgermeister. Ab 1. Mai 2026 übernimmt Markus Schlemmer von der CSU. Das ist kein Betriebsunfall, das ist ein klarer Ausdruck vom Wechselwillen der Wählerschaft und erst einmal als ein knallhartes Nein zu einem „Weiter so“ zu werten.
Umso erstaunlicher ist, wie wenig Selbstkritik aus der Aschaffenburger SPD-Spitze zu hören ist. So hat z. B. der Münchner SPD-OB Reiter nach seiner Niederlage in München den Mut zu sagen: „Ich hab’s verbockt.“ Eine solche Klarheit und Ehrlichkeit sucht man in Aschaffenburg bislang vergeblich. Dabei ist die Botschaft der Bürgerinnen und Bürger eindeutig: Sie erwarten Führungsstärke statt Wegducken, Bürgernähe statt Funkstille, Respekt statt Ignoranz und lösungsorientiertes Handeln statt seitenlanger Begründungen, wieso dies oder jenes angeblich nicht gehe.
Genau daran hat es in der Stadtspitze gefehlt. Bürgeranfragen an den Oberbürgermeister blieben unbeantwortet, selbst Anfragen von Stadträten wurden nach Gutsherrenart behandelt. Dutzende von Stadtratsanträge, die laut Geschäftsordnung nach sechs Wochen behandelt werden müssten, wurden auf Eis gelegt. Formelle Bürgeranträge aus Bürgerversammlungen z.B. das Thema Ameisenbefall in Leider, verschwinden monatelang in der Schublade. Kritische Nachfragen, unbequeme Anträge und deutliche Bürgeranliegen mögen der Stadtspitze lästig erscheinen, aber genau das muss in einer Demokratie ausgehalten, beantwortet und fair behandelt werden. Die Menschen haben das registriert. Und sie haben darauf eine demokratische Antwort gegeben: ihre Stimme für den Wechsel. Inwieweit das Ergebnis dann der demokratischen Entwicklung, sprich den objektiven Interessen des Wahlvolkes dient, bleibt abzuwarten bzw. steht auf einem anderen Blatt. Was denken Sie darüber? Schreiben Sie uns unter der E-Mail info@kommunale-initiative.de
Ihr Stadtrat Jürgen Zahn *) unbequem aus Verantwortung

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